Reisebericht Joshua Tree

Reisebericht Joshua Tree – ein Road Movie ins Herz amerikanischer Mythen

Im März 2017 wird eines der berühmtesten Rockalben der Musikgeschichte 30 Jahre alt – „The Josua Tree“ von U2. Eine ganze Musikgeneration wurde von ihm geprägt und der Rolling Stone ordnete die Platte ganz oben in die ewige Bestenliste ein. Sie blieb in manchen Ländern über zwei Jahre in den Charts. Eine schöne Gelegenheit, sich mit dem Josua Tree National Park zu beschäftigen, der die Band so faszinierte und in dem auch das auf dem Plattencover abgebildete Exemplar einst stand. Der Kölner Fotograf Rudi Arens, den die wilde, raue Gegend magisch anzieht, hat sich auf den Weg dorthin gemacht. Er mietete sich einen Oldtimer, in dem schon Marylin Monroe gesessen haben soll, nahm ein paar Fotomodelle aus Los Angeles mit und inszenierte seine Entdeckungsreise als Road Movie und als Buch „Time out in Joshua Tree: Rudi Arens

 

Ein Reisebericht der anderen Art über Joshua Tree

Ich liebe das große Erzählkino, ich liebe Musik, ich liebe Geschichte und ich liebe Menschen. Deswegen bin ich als Fotograf mein Leben lang auf der Suche nach magischen Orten. Solche, mit denen sich Menschen identifizieren, die große Sehnsüchte wecken, die ein Lebensgefühl schaffen und den Stoff abgeben für Millionen Träume, die auf der ganzen Welt geträumt werden. Die meisten davon liegen in den USA. Und davon die meisten in Kalifornien. Und darunter gibt es einen, wo sich alles verbindet. Hollywood-Kulissen, die optimistische Aufbruchsstimmung der Sechziger und der Spirit des Schmelztiegels Amerika, dazu die Romantik verfallender Größe und die Mystik von Orten, die immer wieder neu mit Bedeutung aufgeladen werden: All das findet man in und um den Josua Tree Nationalpark in der kalifornischen Wüste.

Meine Reise sollte mehr sein als eine Reise: Ich dachte an einen Film. Amerika erzählt die schönsten und größten Geschichten unserer Zeit – und vereint dabei das Natürliche mit dem Künstlichen, die technische Perfektion mit der Ursprünglichkeit. Ich wollte authentisches Leben entdecken, aber auch eine Story erzählen. Inspiriert hat mich vor allem Rachel, ein Model mit indianischen Wurzeln. Mit ihr, ihrer afroamerikanischen Freundin Tunisha und ein paar anderen mache ich mich auf, in einem gemieteten 57er Ford Thunderbird, dem blauen Horizont entgegen. Man muss es natürlich nicht so pompös machen wie ich. Eine Reise in die Magie des amerikanischen Traums kann man von Los Angeles aus für drei oder vier Tage in jedem Mietauto bequem organisieren.

Die Reise beginnt

Denn Westküstenreisende wählen als Startpunkt einer Reise in die Wüste meist L. A. In der Tat ist es von dort aus nicht weit: die 220 Kilometer bis zum Nationalpark schafft man je nach Verkehr in drei bis vier Stunden. Beste Reisezeit für einen Besuch im Park ist April. Da ist es in der Wüste noch nicht so heiß; man kommt sich bei Sonne wie an einem besonders schönen Sommertag vor. Der wenige Niederschlag in der Gegend fällt meist im Winter und frühen Frühjahr, so dass um die Zeit – wenn man Glück hat – die Kakteen blühen und gelbe Blütenteppiche den kargen Boden überziehen.

Es gibt drei Besucherzentren, über die man seine Tour in den Nationalpark führen kann. Cottonwood im Süden liegt weit weg von den Hauptattraktionen und Verkehrswegen. Der Südteil ist der trockenere, heißere, niedriger gelegene und gehört zur Colorado-Wüste. Die meisten Besucher betreten das Areal von Norden her, auf 600 bis 1000 Höhenmetern, wo der Highway 62 über Yucca Valley, Joshua Tree Village und Twentynine Palms entlang führt. Dieser Teil gehört zur Mojave-Wüste, ist etwas kühler und feuchter und beherbergt die berühmten „Joshua Trees“, die dem Park den Namen geben. Hier stehen die bizarr geformten Palmlilien wie Armeen von winkenden Menschen. Vorbeiziehende Mormonen nannten die Bäume Joshua Tree, weil sie sie an den biblischen Propheten Josua erinnerten, ganz als ob er ihnen den Weg ins Gelobte Land wiese.

Am Nordende des Parks herrscht überraschend quirlige amerikanische Zivilisation. Twentynine Palms ist ideal als Startpunkt für eine Tour durch den Nationalpark. Der schnell wachsende Ort hat heute fast 30.000 Einwohner, viele von ihnen sehr jung, und ist Standort eines Marinecorps. Schönstes Hotel der Stadt – und der ganzen Gegend – ist das „29 Palms Inn“. Der Grundstein für das Haus wurde schon in den Zwanziger Jahren gelegt, als Twentynine Palms noch ein verlassenes Nest war. Das kleine, idyllische Hotel liegt am Ende einer Palmenallee nahe der 9.000 Jahre alten „Oasis of Mara“. Zum außergewöhnlich guten Abendessen gibt es jeden Abend Live-Musik. Die einmalige Atmosphäre hat allerdings einen Preis, nämlich zwischen 120 bis 200 Dollar je Zimmer für eine Übernachtung. Vorteil: Das Hotel liegt ganz nah an einem der drei Nordeingänge in den Park; am nächsten Tag kann es gleich losgehen.

Übernachten in Joshua Tree

Wir machen es anders und mieten über Airbnb ein alleinstehendes Haus mit drei Schlafzimmern mitten in der Wüste– das kostet ebenfalls 200 Dollar pro Nacht, aber für alle zusammen. In der Wildnis ist es auf besondere Art spannend: morgens stehen schon einmal Kojoten vor dem Fenster – oder große Schlangen sonnen sich direkt vor dem Hauseingang. Für diese Erfahrungen ist nicht jeder gemacht. Wer einfach nur ohne Schnickschnack, sauber und zweckmäßig übernachten will, nimmt in Twentynine Palms das „El Ranco Dolores Motel“ – für vergleichsweise günstige 80 Dollar die Nacht. Essen kann man ebenfalls in Orten mit weniger Ambiente, aber großen und günstigen Portionen: „Papa John´s Pizza“ oder „Andreas Charbroiled Burgers“ zum Beispiel.

Der Eintritt in den Park kostet 20 Dollar pro Tag und Fahrzeug. Einen Allradantrieb braucht man nicht unbedingt. Wir kamen mit dem Thunderbird überall hin, nur Teile der „Geology Tour Road“ erfordern geländegängige Fahrzeuge. Von der Größe eines Nationalparks kann man sich schlecht eine Vorstellung machen. Allein dieser ist schon deutlich größer als das Saarland oder ganz Luxemburg, auch wenn er „nur“ der fünfzehntgrößte der USA ist. Überall ragen Monolithen in die Höhe: Granitfelsen oder Magmadome. Weil hier selten Schnee und Eis liegen, ist das ganze Jahr Saison. Die Felsen sind griffig und führen ungewöhnliche Spalten, die sich in immer neuen Windungen durch die 20 bis 30 Meter hohen Formationen ziehen. So entstehen Kletterwege für jeden Anspruch – vom Anfänger bis zum Vollprofi.

Wo ist der Joshua Tree?

Der Joshua Tree, der auf dem U2-Cover abgebildet ist, existiert nicht mehr. Er starb irgendwann ab und fiel um. Dort, wo er stand, haben Fans einen kleinen Gedenkort mit Plakette eingerichtet, selbst ein Stück von einem Fan entwendeten Holzes soll wieder an den Wurzelstock angeschraubt worden sein. Es ist wohl eine der wenigen Gedenkstellen auf dieser Welt für eine einzelne Pflanze. Für das Auge bietet sich mannigfach botanischer Ersatz für den einen Baum: Die vielfältige Flora versammelt allein Tausende von Joshua Trees, die meist in Gesellschaft stehen, dazu unterschiedlichste Kakteenarten, Gräser und Sträucher. Auch die Tierwelt hat es in sich: Chuckwalla-Echsen oder die typischen Jackrabbits, Hasen mit besonders langen Ohren, sieht man häufig. Mit etwas Glück und zur richtigen Uhrzeit entdeckt man Bighorn-Schafe, von denen etwa 300 im Park leben. Auch Schildkröten, Skorpione und Klapperschlangen leben im Park.

Die Straßen sind gut ausgebaut, die Parkplätze an den interessanten Orten ausreichend dimensioniert. Hilfsbereite Ranger geben gerne Auskunft. Sie sind heute die einzigen im Park, die regelmäßig hier sind, aber Reste von Gebäuden (Ryan Ranch), indianische Höhlenzeichnungen (Petroglyphs), riesige Tanks, übersät mit Einschusslöchern (Gold Coin Mine) sowie das Grab des Goldgräbers John Lang erinnern an Menschen, die hier früher gelebt haben.

Wer sich in den Wüsten Kaliforniens aufhält, dem fällt schnell auf, dass Nationalparks längst nicht das Einzige sind, was anziehend wirkt. Die ganze Gegend übt eine Faszination aus, die kaum jemanden loslässt. Hier entstanden vor 150 Jahren im Goldrausch blühende Westernstädte, die teils heute noch existieren und mit ihren ausgeblichenen Holzfassaden und verlassenen Gebäuden einen morbiden Charme verbreiten. Aber auch die anderthalb Jahrhunderte seither haben Spuren hinterlassen, seien es fahle Betonruinen voller Graffiti und Wandmalereien oder verlassene Tankstellen, durch deren Schrottkulisse der Wüstenwind pfeift. Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch der Westernstadt Pioneer Town, etwa 10 km von Joshua Tree entfernt. Im „Pappy & Harriet´s“ gibt es ganz hervorragende Hamburger; auf einer kleinen Bühne finden dazu regelmäßig Live-Konzerte statt.
Der Ort Joshua Tree zwischen Twentynine Palms und Yucca Valley ist deutlich kleiner als seine beiden Nachbarstädte. Sein Herz, direkt an der zentralen Kreuzung gelegen, ist der „Joshua Tree Saloon“. Hier ist den ganzen Tag Leben, das sich in einzigartiger Saloon-Atmosphäre abspielt – vom legendären Frühstück bis zur abendlichen Live-Musik. Vor dem Haus steht ein Reisemobil aus den Fünfzigern, im Hof ein 48er Truck und hinter dem Haus ein im bunten Hippie-Stil bemalter großer Reisebus aus den Sechzigern. Hier in der Wüste halten sich Autos aller Altersklassen. Die niedrige Luftfeuchtigkeit bewahrt sie vor Rost, so dass sich hier an einigen Ecken richtige Freiluftmuseen der Mobilität gebildet haben.

Essen in Joshua Tree

Der Joshua Tree Saloon ist zum Essen eine gute Alternative zum 29 Palms Inn, das etwa eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt ist. Junge Leute, die einen Saloon betreten, müssen allerdings den Personalausweis bereithalten. Weil dort Alkohol ausgeschenkt wird, wird man nur hereingelassen, wenn man mindestens 21 Jahre alt ist. Und das auch, wenn man gar nicht vorhat, Alkohol zu trinken! Wird der Besitzer erwischt, dass jemand Kundschaft unter 21 hereingelassen hat, muss er 25.000 Dollar Strafe zahlen und die Behörden machen das Lokal für sechs Monate dicht.
Die beste Pizza gibt es gleich gegenüber dem Saloon im „Pie for the People“. Achtung: Hier werden amerikanische Portionen aufgetragen. Eine große Pizza bekommen nur geübte Esser geschafft, schon die normale hat 16 Zoll Durchmesser (40,6 cm). Am Wochenende bildet sich oft eine lange Schlange vor dem Eingang – untrügliches Signal für gutes Essen. Ein angesagter Ort zum Abhängen ist das „Crossroads Cafe“, ebenfalls direkt am Highway gelegen. Der lokale Mexikaner („Santana’s“) dagegen ist keine Empfehlung wert.

Joshua Tree Village ist eine Reise zurück in die Zeit – nicht nur was alte Autos anbetrifft. Auch wer sich die Haare frisieren oder ein Kleid kaufen will, wird beim Betreten manches Geschäfts direkt zurück in die 60er Jahre geschickt. Der „Beauty Bubble Salon“ ist so ein Ort. Rachel lässt sich hier von der Friseurin Evelyn die Haare machen und berichtet anschließend, sie sei sich wie in einem Museum vorgekommen. Direkt neben dem Salon durchstöbert sie anschließend gemeinsam mit Tunisha eine Reihe Boutiquen nach ausgefallenen Stücken. Wer ein Faible für hochwertige Second-Hand-Artikel, Retro-Kleidung und Vintage-Style hat oder sich für ungewöhnliche Wohn-Accessoires interessiert, findet noch viel mehr davon in Yucca Valley: Dort steht eine ganze Reihe Stores mit Kleidung und Antiquitäten direkt am Highway 62 in Old Town. Am besten gefällt uns „The End“, ein Laden, der wohl nach dem Doors-Titel benannt wurde. Inhaberin Kime Buzzelli bietet in einer einzigartigen, warmen Atmosphäre eine Fülle von handgemachten Einzelstücken an, die sich auch als Geschenk für die Daheimgebliebenen eignen.

Road Movie

Unser Road Movie wird zwar eine Fotoserie, aber wir fühlen uns zeitweise wirklich wie in einem Film. Schließlich hat Hollywood genau die Gegend so oft auf die Leinwand gebracht, dass die Eindrücke praktisch in unser aller Gedächtnis eingesickert sind. Und zwar unabhängig davon, ob man lieber Western, dramatische Komödien, gewalttriefende Actionstreifen oder Arthouse-Filme guckt. Es ist fast befremdlich, Teil dieser Szenerie zu sein. Von Joshua Tree aus kann man in jede Richtung aufbrechen und es fühlt sich immer nach Freiheit an. Wir entscheiden uns für die Route 66 – auch wenn ich Bedenken habe, dass sie vielleicht schon etwas zu sehr auf Kult gemacht sei, die Motive schon allzu bekannt, die Szenerie nicht überraschend genug. Aber schon in Rice, wo die erste abgedeckte Tankstelle auf uns wartete, ist uns das alles egal. In Amboy bestaunen wir den riesigen Wassertank auf Holzstelzen gegenüber der Phosphat-Mine. Am Bahnübergang auf dem Weg zum berühmten Roy‘s Café kommt gerade ein kilometerlanger Zug mit vier vorgespannten Loks im Schneckentempo vorbei. In Needles, kurz vor der Grenze zu Arizona, sehen wir eine weitere Geisterstadt. Wir rasten kurz im „Wagon Wheel Restaurant“, danach geht die Fahrt zurück über den Amboy Crater, einem 10.000 Jahre alten erloschenen Vulkankegel, nach Yoshua Tree, vorbei an Legionen von verlassenen Häusern.

Je mehr Menschen wir kennenlernen, desto mehr merken wir es: Hier atmet alles die Kultur, die man vor fünfzig Jahren in San Francisco fand und die eine ganze Epoche prägte – psychedelisch, abgedreht, durchmischt, kreativ, offen und tolerant. In der Bay City ist sie nicht mehr wirklich zu finden – die hübschen alten Häuser sind viel zu teuer geworden für junge Menschen mit viel Kreativität und wenig Geld. Dort sitzen nun Internet-Millionäre mit ihren Familien und im Zentrum gibt es noch ein paar Nostalgie-Läden mit Hippiekitsch made in China. Es ist fast so, als sei der Spirit hierhin in die Wüste weitergezogen, wo er sich ebenso gut konserviert wie die ganzen Oldtimer. Und tatsächlich ist die Verbindung zu Vergangenem so intensiv, dass man nahezu jedes Haus ein Museum nennen könnte, nicht nur den Friseursalon.

Museen in Joshua Tree

Aber richtige Museen gibt es trotzdem. Das „Noah Purifoy Outdoor Desert Art Museum“ findet man, wenn man in Joshua Tree vom Highway abbiegt und etwa 20 Minuten stracks in die Wüste fährt. Hier stehen auf einer riesigen Fläche Hunderte von skurrilen Objekten, meist aus Schrott und Müll zusammengebaut, den der afroamerikanische Künstler Noah Purifoy (1917-2004) in der Wüste gesammelt hat. Purifoy, der erst im Alter in die Wüste zog, war bekannt für solche Skulpturen; die ersten baute er kurz nach Rassenunruhen in L. A. zusammen, und zwar aus originalen Trümmern zerstörter und geplünderter Häuser. Vielleicht fasst dieses Freilichtmuseum den Geist, der hier in der Gegend herrscht, am besten zusammen. Der Eintritt ist frei, am Eingang steht eine Spendenbox.
Auch Deutsche kommen und bleiben. Eine von ihnen ist Natalia Pander Matein, die mit ihrem Mann Donald die Knob Hill Ranch in Yucca Yalley betreibt. Hier gibt es ein Gästehaus für Urlauber und wer will, kann hier ein Pferd mieten, um den National Park reitend zu erkunden. Die beiden haben eine große Auswahl von Pferden auf ihrer Ranch, darunter auch solche, die für Anfänger geeignet sind. Natalia ist vor vielen Jahren hier hängengeblieben und konnte sich dem Charme der Wüste ebenso wenig entziehen wie die meisten Besucher auch. Freundlich und geduldig führt sie in die Grundlagen des Reitens ein, warnt zum Beispiel vor Klapperschlangen und Skorpionen, die hier im Gelände häufig zu finden sind. Rachel, die noch nie auf einem Pferd gesessen hatte, entschied sich für den schnellen und wilden Hengst Turbo – und es hat fantastisch geklappt. Ob Turbo ganz zahm war, weil er sie mochte, oder weil Donald, der uns begleitete, so souverän war, wissen wir bis heute nicht.

Meine Begleiterinnen wachsen förmlich über sich selbst hinaus, nicht nur beim Reiten. Auch Rock Climbing kann man im Nationalpark probieren. Wer es noch nie versucht hat, kann sich an einen persönlichen Coach wenden, der mitkommt, aufpasst und mit dem Seil sichert. Einer von ihnen ist David P. Griffith. Er ist Profi seit über 20 Jahren und gibt auch blutigen Anfängern totale Sicherheit. So schafft er es, die in Outdoor-Dingen völlig unbeleckte Rachel auf die Spitze eines steilen Felsens zu lotsen. Ein Erlebnis, das sie mit Freude und Stolz erfüllt.

U2 sind in den Achtzigern hierher gefahren, um den Geist Amerikas einzufangen, mit dem sie ein sehr ambivalentes Verhältnis verband. Sie sprachen damals von den „Zwei Amerikas“, eines zum Lieben und eines zum Fürchten. Auch heute macht uns vieles wieder Angst, was wir aus den USA in der Zeitung lesen – es ist nicht mehr so sehr das Muskelspiel des unbarmherzigen Weltpolizisten in eigener Sache, sondern eher die Bestürzung über die innere Zerrissenheit, die Spaltung einer Gesellschaft und der Gefahr, die der ältesten Demokratie der Welt heute von innen droht. Das Amerika, das wir alle lieben (manchmal ohne es zu wissen) ist zerbrechlicher, als wir glauben.

Die Reise in das Herz dieses liebenswerten Amerikas ist tatsächlich am Ende ein Road Movie geworden, den der Berliner Verlag Seltmann und Söhne als prachtvollen Bildband herausgegeben hat. Er handelt von der Reise eines Models zurück zu seinen Wurzeln. Die kalifornische Wüste rund um den Joshua Tree National Park hat das Zeug dazu, Menschen näher rücken zu lassen, Bünde zu schmieden und Klarheit über sich selbst zu bekommen. Es ist ein magischer Ort.

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